Testbericht: Panasonic TZ71 Kompaktkamera

Neben meiner dicken fetten Fotoausrüstung benötige ich eine kleine handliche Kompaktkamera, in erster Linie, weil wir unsere Konzerte, die wir besuchen, filmen wollen.

Das tun wir zb. bei U2 oder Springsteen, das ist auch gestattet solange wir 1. keinen damit stören/nerven und 2. das Ganze nicht kommerziell wird. Wir schneiden dann hinterher massenhaft Material zu einer “Multicam” zusammen und das am liebsten in sauberem Full HD.

Von der Tour 2015 habe ich selbst bisher 2 Multicams geschnitten und bekam dabei natürlich massenhaft Material aus den unterschiedlichsten Kameras zugeschickt. Da meine Sony mich einfach nicht vollends zufrieden stellte, habe ich mir eine neue ausgesucht. Und zwar auf Basis des mir zugestellten Videomaterials.

Nach mehreren hundert Stunden basteln, schneiden und kontrollgucken, kristallisierte sich die Panasonic TZ71 (sowie ihr direkter Vorgänger) als die Kamera heraus, die die natürlichste Farbwiedergabe hatte, die wenigsten “Fokusverrutscher” und vor allem den deutlich besseren Umgang mit harten Kontrasten und der Möglichkeit, auch beim Filmen mit manuellen Einstellungen die Helligkeit beinflussen zu können.

Panasonic Lumix DMC-Tz71

ich habe sie im Amazon Warehouse für 266€ ergattert und hatte Glück eine absolut fehlerfreie Kamera mit allem Lieferumfang zu erhalten. Trotz dass der Nachfolger schon einige Zeit am Markt ist (der auch 4k kann), klettert der Gebrauchtpreis derzeit wieder Richtung 300€ Marke.

Technisch

Die Kamera besitzt einen 30fach optischen Zoom von 4.3-129mm (24-720mm KB-äquivalent) mit einer Lichtstärke von 3.3-6.4. Das ist für den immensen Zoom vollkommen okay, Konkurrenten beginnen hier oft erst bei 3.5 oder 3.8 – aber das Quentchen Licht kann immens entscheidend sein. Das verbaute Leica-Objektiv ist zudem natürlich auch entsprechend hochwertig.

Der Sensor hat 12,1 Megapixel, was erstmal nicht viel klingt, aber völlig ausreichend ist. Der Sensor ist recht klein und die wenigeren MP führen zu einem deutlich besseren Rauschverhalten. Die TZ71 kann ISO werte von 80-6400, wobei sie tatsächlich bis 1600 für eine Kompakte absolut vorzeigbar ist.
Großer Vorteil, nach dem ich explizit gesucht habe: die Panasonic besitzt ein RAW Format. Damit bieten sich mir noch ein paar Reserven, die die reinen JPG-Knipsen nicht mehr haben. In Sachen Foto hatte mich die SONY völlig enttäuscht, war bei weniger guten Lichtverhältnissen völlig unbrauchbar. Die Panasonic ist hier per se etwas besser unterwegs und bietet mit dem RAW (PNG Format) einen enormen Vorteil.

Videotechnisch bietet die Kamera Full HD Aufnahme mit 50fps – die Kamera kann nicht auf NTSC umgestellt werden für 60fps, was ich etwas schade finde. Smartphones filmen zb. NUR NTSC und mit 4k auf aktuellen Geräten kann man sehr gute Videos machen. Ich wäre dafür, dass man NTSC einfach als weltweiten Standard einführt. Alles ist heute global und eben solche Videoprojekte wie unsere zeigen, dass ein gemeinsamer Standard Sinn macht, denn auf Dauer erleichtern gleiche Framerates das Arbeiten ungemein.
Qualitativ geht hier alles vom kompakten mp4 Codec bis zum hochwertigen AVCHD – da geht was.

Für die ruhige Hand bietet die Kamera einen 5achsigen Stabilisator – welcher sehr weich korrigiert und man die Korrektur beim Ansehen nicht wahrnimmt. Auch ein Kriterium, welches mich zur TZ71 brachte.

Optisch

Die TZ71 ist noch kompakter als die Sony HX Reihe und ich habe das silberne Modell. Gehäuseoberseite und Objektiveinfassung sind hier dezent silber.
Die Kamera ist schlanke anderthalb Zentimeter dick und besitzt rechts eine leichte Wölbung, mit strukturiertem, dicken Gummi versehen, die eine kleine Griffmulde bildet.

Hinten finden wir das riesige Display, ein kleiner elektronischer Sucher, ein Wahlrad und diverse Tasten. Obenauf ist das Hauptwahlrad, der Auslöser der in der Zoomwippe versenkt ist, den ON/OFF Schalter und den Videostartknopf. Rechts seitlich ist eine kleine Klappe, die HDMI und USB bieten.
Am Boden ist die Klappe, hinter der Akku und SD Slot versteckt sind, sowie ein handelsübliches 3/4″ Stativgewinde.
Vorn ist obenrechts ein kleiner Blitz versteckt, der allerdings sehr doof platziert ist. Entweder man hält ihn eh zu oder die Fotos sehen sowieso mist aus, weil er zu nah am Objektiv sitzt.

Der Objektivrahmen nimmt den Großteil der Front ein. Dieser ist drehbar und verstellt die Blende in den entsprechenden Kameramodi.

Neben dem Sucher ist ein kleines Rädchen – im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern bietet Panasonic hier eine Dioptrienkorrektur, wie man sie sonst nur bei den DSLRs oder guten Systemkameras findet.

Die Kamera hat links und rechts jeweils eine Öse, so dass man hier auch ein Band für um den Hals dranbasteln kann, dass die Kamera gerade vorm Bauch baumeln läßt. Ich ziehe das einzelne Handbändel aber vor, das liegt auch bei.

Möglichkeiten

Die Kamera bietet massenhaft vorgefertigte Einstellungen im Menü, für unsere Belange ist meistens auf Sport gestellt, wobei ich entweder manuell arbeite (Konzert, Langzeit, Makro usw.) oder mit der Automatik, wenn es um Schnappschüsse zwischendurch geht.

Das Menü ist einfach, gut gegliedert und recht übersichtlich.
Es gibt 4 Hauptbereiche: REC, Video, Setup und Wifi.

Rec widmet sich den Aufnahmen aller Art. Hier kann ich die Bildgröße und Format für Fotos einstellen. Wie die meisten Kameras (Kompakte) fotografiert auch diese hier in 4:3, ich kann sie aber auf 2:3 umstellen (also das normale Kleinbildverhältnis). Sie schneidet dann einfach oben und unten einen Ticken ab, um das Format zu erreichen. Das stört mich nicht weiter, da ich den Bildausschnitt dank Rahmen auf dem Display schon entsprechend auswählen kann. Hier findet sich auch die Qualität, in meinem Fall ist das RAW, welches bei der Kamera ein PNG Dateiformat ist, also mit nahezu jedem etwas praktischerem Fotoprogramm bearbeitet werden kann.
Ich kann hier auch den Digitalzoom an und ausschalten, ich habe ihn aus. Ich nutze nur den optischen, der ja bereits 30fach ist und beim digitalen wird es dann ganz schnell richtig matschig. Auch Stabi, Rotaugen-Reduzierung und anderes kann ich einstellen.

Video widmet sich natürlich nun den Parametern fürs Filmen. Hier kann ich das Dateiformat und die Auflösung wählen, die Qualität für Fotos während des Filmens – das ging mit der Sony HX50 nämlich nicht mehr, ging nur bis zu HX20 – kann einstellen ob auch das Mikro zoomen soll (der Aufnahmepegel wird dann nachkorrigiert und wenn man heranzoomt, werden nähere Geräusche ausgeblendet, weiter entferntere verstärkt, funktioniert erstaunlich gut) und ob der Dauer AF an sein soll. Den habe ich meistens eingeschaltet. Man kann aber manuell eingreifen. Wenn die Kamera mal durchdreht und nix findet, tippt man den Auslöser an und sie bessert nach und beginnt von vorn mit fokussieren.

Im Setup finden wir generelle Einstellungen wie Datum/Zeit, Zeitzone, Flugzeugmodus, ob sie piepsen soll beim fokussieren (never, aus, weg damit), kann den LiveView-Modus einstellen – der kann putzigerweise 60fps *an Schädel pack* – die Helligkeit des Displays, den Augensensor konfigurieren – der Sucher hat tatsächlich einen Sensor, der erkennt, wo man hinsieht, und fokussiert dorthin, kostet leider extremen Strom und funktioniert nicht so ganz -, kann mir Gitterlinien einblenden lassen, die Form der Reststromanzeige (Fotos/Videomenge/beides) oder kann hier auch die Karte formatieren.

Unter Wifi finden wir sämtliche Einstellungen fürs Wifi. Hier kann ich mein Smartphone mit der Kamera verbinden und damit fernsteuern. Funktioniert nach holprigem Start und muss jedesmal neu eingerichtet werden, wenn man Wifi aktiviert. Ist leider ebenfalls sehr stromhungrig.

Ein kleines Manko hab ich: im manuellen Modus gibt es keinen Shortcut, um die ISO zu verstellen, ich muss dazu das Menü aufrufen, Rec, ISO umstellen. Allerdings gibt es die Möglichkeit, auf C1 und C2 bestimmte Einstellungen zu speichern, so habe ich mir ein “Konzertsetup” hier abgelegt und kann es dann immer direkt mit der Einstellung am Wahlrad ansteuern.

Film & Fotoqualität

Gefilmt habe ich damit nun bereits 2 nahezu komplette Bruce Springsteen Konzerte (Open Air), 2/3 Bryan Adams Konzert (Indoor) sowie etliche weitere Clips bei anderen Konzerten und habe auch einiges an Fotos gemacht. Die Kamera ist auch etwas sparsamer – ich komme mit den Akkus deutlich weiter, als vorher mit der Sony.

Foto

Ich gebe zu, was Fotos angeht, habe ich eine ganze Weile gebraucht, aus der Kamera gutes, brauchbares Material rauszuholen. Ich bin einfach von meiner teuren Ausrüstung zu sehr verwöhnt.
Das Rauschverhalten ist bis ISO 800 absolut in Ordnung für so einen kleinen Sensor und dank der NIK Collection lassen sich auch ISO 1600 Fotos tadellos entrauschen und verwenden und in ein Fotobuch drucken. So getan mit den Konzertfotos aus diesem Sommer vom Konzert von Little Steven & The Disciples of Soul (Steve van Zandt, Springsteens Gitarrist) – die habe ich streckenweise mit ISO 1600 aufgenommen und sie sind sehr gut gelungen. Hier bin ich aber komplett auf manuelle Belichtung angewiesen und muss natürlich hinterher die RAW entwickeln und entrauschen. Das mache ich aber mit anderen Fotos aus den teuren Kameras auch nicht anders.
Hingegen ein paar der Bilder auf der Reise, mit dem Automatikmodus, sind nicht so super gelungen. Ich werde wohl dauerhaft auf Manuell umsteigen.

Ich habe zwei Fotos vom U2 Konzert in der Rose Bowl angehangen. Beide sind nur verkleinert, etwas aufgehellt und entrauscht. Einmal ist das komplette Stadion zu sehen, einmal Bono & Edge auf der Hauptbühne. Beide wurden vom gleichen Sitzplatz aus gemacht. Damit ihr eine kleine Vorstellung habt, was 30fach Zoom bedeutet.


Video

Vom Filmmaterial bin ich positiv angetan. Mein bester Kumpel saß bei den Konzerten neben mir mit der HX20 und so hatte ich den direkten Vergleich – die Sony ist deutlich weicher, etwas matschiger und kapituliert bei großer Entfernung (quer durch die Olympiastadien von München und Berlin) deutlich früher beim Fokus finden. Auch der Stabi ist zuverlässiger, allerdings zuckt meiner manchmal, ist aber nicht reproduzierbar, kann ich aber mit leben, da es sehr selten auftritt. Farblich ist die TZ71 deutlich neutraler und kann hohe Kontraste (Spot auf die Gesichter bei dunkler Bühnenumgebung) deutlich besser austarieren, weil er einfach mit weniger Kontrast filmt und damit nichts überbelichtet wird. Ich kann im Videoschnitt hinterher noch problemlos die Belichtung korrigieren.

Prima finde ich das Stereomic oben im Gehäuse, das sorgt für einen angenehmen Raumklang. Insgesamt sind auch die Tonaufnahmen auch in lauten Rockkonzerten sehr gut, ebenfalls etwas klarer als die Sony.

Die Kamera kann auch während des Filmens Fotos aufnehmen, diese sind dann zwangsweise im 16:9 Format, aber das stört nicht. Da sie quasi aus dem laufenden Film genommen werden, können die aber schneller verwackelt sein, eignet sich also eher bei ruhigen Motiven.

Verarbeitung

Andere haben mir berichtet, dass bei ihren (Vorgänger-)Lumixen die Beschriftung vom Einstellrad runterging nach kurzer Zeit. Sowas kann ich noch nicht feststellen. Die Metalleinfassung des Objektivs hat bei mir ein paar Schrammen abbekommen, da ich sie natürlich häufig in der Hosentasche, Gürteltasche oder einfach in einer Tüte im Konzert rumtransportiere, ohne weiteren Schutz. Denn sowas bläht auf und stört einfach nur. Aber sonst hat sie bisher nix abbekommen – natürlich habe ich das Display mit einer Folie versehen, denn die sind in der Regel sehr empfindlich. Der Zoom und Fokus sind leichtgängig, der Motor angenehm leise und das Gehäuse insgesamt sehr robust. Alle Knöpfe reagieren leicht und präzise, alle Klappen halten gut zu.

Fazit

Ihren Hauptlebenszweck, nämlich Konzerte filmen, erfüllt die Kamera absolut tadellos. Sie bietet den für mich derzeit besten Kompromiss aus Qualität, viel Zoom und extremer Kompaktheit. Natürlich gibt es bessere Kameras, aber das sind dann meist schon recht grosse Bridgekameras, wo die Ordner am Einlass schnell grillig werden, obwohl es KEINE Profikamera mit Wechselobjektiv ist. Ausserdem kosten die dann auch gerne das doppelte.
Foto, Film und Tonqualität sind für so ein kompaktes, kleines Ding regelrecht monströs. Mit etwas Übung freundet man sich mit der Kamera gut an und weiß, wie man ihr gute Bilder entlockt, die Automatiken sind leider nicht so der Burner. Bisher hatte ich halt immer irgendein Problem: Super filmen – aber scheiss Fotos. Super Fotos – keine Erlaubnis im Konzert. Auch andere Kompakte boten entweder super Fotos, oder super Videos. Die Lumix TZ71 ist vielleicht nicht super in allen Belangen, aber sie liefert sehr gute Ergebnisse bei beidem ab, mit denen ich sehr zufrieden bin (bis mal wieder was besseres kommt). Mein iPhone macht tatsächlich qualitativ die besseren Videos, in 4K – aber das Teil hat nunmal keinen 30fach Zoom!

Ich finde das Preis/Leistungsverhältnis gut, wenn man sich um oder unter 300€ bewegt. Die aufgerufenen fast 500€ bei Markteinführung (so wie jetzt der Nachfolger) finde ich zuviel.

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