Warum geht man auf ein Konzert?

Warum soll man auf ein Konzert gehen?

Ich persönlich kann heute diese Frage gar nicht mehr nachvollziehen. Aber natürlich hat sie ihre Berechtigung.

Konzerttickets sind recht teuer, oftmals muss man dann auch noch in eine andere Stadt fahren und womöglich dort auch noch übernachten.
Aber vielleicht kann ich ein paar Antworten finden ;).

Die Musik

Da wäre erstmal die Musik. Es gibt unglaublich viel Musik auf der Welt und noch viel mehr Menschen, denen sie gefällt. In vielerlei Hinsicht ist Musik häufig der kleinste gemeinsame Nenner. Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und sich im normalen Leben nicht über den Weg laufen würden oder einfach keine gemeinsamen Interessen haben, sind sich am Ende bei dieser einen Sache einig und stehen im Konzert friedlich nebeneinander.

Gut, Musik kann gerade heute auf vielerlei Arten stets und ständig konsumiert werden. Streaming-Dienste, Mp3-Player, klassiche CD und Plattensammlungen. Da kann einer das Argument bringen: Da kauf ich mir doch die CD und kann es mir tausendmal anhören!

Das mag schon richtig sein, aber es gibt Bands, die sind die geborenen Live-Acts. U2 zum Beispiel. Wer einmal Where the Streets have no Name live erlebt hat, wenn das Gitarrenriff losrollt, ein ganzes Stadion in Rot versinkt und 90.000 Menschen ausrasten – der wird die Plattenversion in Zukunft ziemlich langweilig finden.

Energie

Denn im Konzert herrscht eine völlig andere Energie. Im Studio feilt eine Band lange am gleichen Song, immer und immer wieder und bekommt kein direktes Feedback von den Fans. Die sitzen in ihrer Blase und können bis zur Perfektion dran basteln und es am Ende fertig servieren.
Im Konzert ist das anders. Peter Maffay formulierte es mal in etwa so: “Das ist wie ein Ball den du abschiesst, den kann man nicht zurückholen.” – Er muss also treffen – oder er geht gnadenlos ins Aus. Hopp oder Topp.

Ein Live-Konzert ist immer eine Momentaufnahme, in der einfach alles passieren kann. Und selbst wenn man eine komplett durchchoreografierte Show wie bei U2 mehrfach ansieht, ist kein Konzert wie das andere. Jeden Abend die gleichen Songs, trotzdem klingen sie nie gleich. Vom ersten Moment an entsteht eine Interaktion mit dem Publikum, auch wenn diese ablehnend sein sollte – sie ist da. Man reagiert aufeinander, Künstler auf Fans und umgekehrt.

Die Musiker erfahren sofort, ob ein Song ankommt, ob der Spruch jetzt gut war oder gar nicht lustig. Das Feedback kommt auf der Stelle.

Songs entwickeln sich im Laufe ihres Lebens. Je öfter eine Band ihn live spielt, desto mehr verändert er sich. Und natürlich verändert sich auch die Band mit dem Song.

Emotionen

Es gibt Songs, die sprechen einem sofort aus der Seele. Die passen wie die Faust aufs Auge und man fängt an zu grinsen, zu weinen oder zu tanzen. Wenn man zuhause allein ist, kann man das machen. Sitzt man auf Arbeit im Büro, kann man allenfalls unentdeckt unter dem Tisch noch mit dem Fuss wackeln, wenn so ein Song im Radio kommt.

Aber Emotionen wollen raus und tief in uns drin haben viele auch den Wunsch, einfach dem Künstler für dieses Werk zu danken und diesen Dank einfach mit frenetischem Applaus zu zeigen.

Und dann steht man im Konzert und dann kann man schreien, singen, tanzen, weinen, lachen und tausende Menschen um einen herum verstehen das, denen geht es genauso. Man kann einfach mal ein paar Stunden die Sau raus lassen und vor allem die Welt und die Sorgen vor der Tür lassen.

Dann ist das Ticket die Eintrittskarte in die Blase der heilen Welt. Ganz besonders intensiv habe ich das selbst bei der Kelly Family 2018 erlebt. Ich war von 1995 bis 2000 wirklich grosser Fan und bin quer durchs Land gefahren, um sie live zu sehen, viele Male. Und dann fast 20 Jahre später sitzt du im Konzert, um dich herum nur Menschen mittleren Alters und bei An Angel flippen die alle aus und der ganze Saal singt. Und auch ich konnte einfach nochmal 16 sein.

Erinnerungen

Da kamen nämlich all diese Erinnerungen hoch an die tolle Zeit damals, wie es mir ging, als ich diese Songs das erste Mal hörte. Es ist wirklich so, als würde man einen alten Freund wiedersehen, den man viele Jahre nicht gesehen hat und trotzdem ist alles wie früher.

Die Fans

Und dann sind da die Fans. Es gibt Menschen, die sieht man nur alle paar Jahre auf der Tournee bei einer Band. Dann steht und sitzt man zusammen, klönt, lacht und dann geht man wieder jahrelang getrennte Wege. Und trotzdem bleiben auch immer wieder Leute hängen, mit denen man auch dazwischen eifrig chattet oder telefoniert. Man findet Freunde, die die eigene Verrücktheit einfach verstehen – oder gar noch bekloppter sind.

Oft steht man auch einfach herum und wartet gemeinsam und man redet einfach über das gleiche Thema, oder auch ganz andere Themen, Leute aus der ganzen Welt. Nach dem Konzert sind sie weg und du weißt nicht mal ihren Namen, aber es war ne gute Zeit.

Gesund ist es auch noch!

Es gibt wohl mittlerweile Studien darüber, dass Leute, die regelmäßig Konzerte besuchen, länger leben und glücklicher sind.
Eben weil all diese Dinge hier zusammenkommen: Gleichgesinnte um einen herum, die Lieblingsband, sie spielen die Lieblingssongs, sie bringen dich zum Lachen und zum Weinen, du triffst Freunde und Weggefährten, und die Welt ist einfach für ein paar Stunden ausgeknipst.

Und als Therapie gegen Depression soll es prima helfen bzw. sogar die Gefahr, depressiv zu werden, mindern. Und ja, ich kann das bestätigen. Nicht umsonst gibt es bei Leuten, die auf einer Tour viele Konzerte besuchen, also quasi mitreisen, hinterher einen Tourblues. Den haben nicht nur Musiker.

Wissenschaftlich belegt ist auch die PCD – Post Concert Depression. Um diese dauerhaft zu verhindern, einfach öfter auf Konzerte gehen und die nachhängende Euphorie so lang wie möglich auskosten ;)

Was will man mehr?

Es macht glücklich, gesund, wirkt antidepressiv und macht einfach Spass.

Und genau darum geht man ins Konzert!

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